17. Karmapa
Ogyen Trinley Dorje


„ Er ist nicht-sektiererisch, so erfüllt er alle Himmelsrichtungen; er ist nicht den einen nah und den anderen fern, so ist er der Schützer aller Wesen. Die Sonne des Buddha-Dharma, die allen Wesen dient, strahlt allezeit."

Poems by James Low - Gedichte von James Low
(Übersetzung: Sylvester Lohninger)

Meiner selbst müde sehne ich mich nach Dir

Von einem Gedanken gefangen
wie ein Fisch im Netz
bin ich geboren als einer, der davongeschleppt wird
mit einem Strick um den Hals.

Davor in der Stille,
dem weit offenen Raum,
ist Präsentsein vorhanden,
entspannt an seinem Ort.

Sein Ort ist durchdringend,
keine Bewegung vonnöten,
lebendig und erfrischend
und nichts zu beweisen.

Doch von einem Gedanken gefangen
verliere ich meinen Boden
und noch mehr Gedanken nachhängend
stellt sich bloße Illusion ein.

Ich habe das Gefühl zu existieren,
denn ich scheine wirklich zu sein;
doch nichts ist beständig, nichts ist stabil,
weil die Wahrheit verdeckt ist.

Ich bin Subjekt und bin ein Objekt,
doch keines von beiden verbleibt.
Es erschöpft mich, Schöpfer  zu sein
all dieser Quellen von Leiden.

Oh Illusionsgewebe
lass mich doch bitte in Ruhe -
aber indem ich dich ernst nehme
mach ich dich zu meinem Zuhause.

Durch Drehen und Wenden
kann ich es niemals finden,
das, was mir fehlt, den einen Geschmack,
meinen eigenen Geistesfrieden.

Verschone mich bloß!
schrei ich mich an,
doch bin ich es selbst, der sich
den nächsten Gedanken aus dem Regal greift.

Reihe auf Reihe von
endlos angebotener Täuschung;
was das Selbst konstituiert,
bringt doch nur Verwirrung.

Dieses Netz ist gewoben von
meinem Abmühen nach mehr,
während der Balsam, den ich suche,
sich ständig aus der Quelle ergießt.

Kein Selbst und kein Anderer/Anderes,
nur der Raum zwischen beiden;
diese kleine Kluft ist unendlich,
die Basis aller Träume.

So viele freundliche Lehrer
haben den Weg gewiesen
nach Hause zurück zum Ursprung,
doch ich entscheide mich, mich zu verlaufen.

Ich spiele mit meinem Spielzeug,
gelangweilt, einsam und traurig.
Ich fühle mich von anderen betrogen,
und dann mach ich sie schlecht.

Subjekt und Objekt sind dabei,
ihren Bann zu weben.
Schluss, aus! Genug!
Ich stürze in die Hölle.

In Traurigkeit versinkend
erinnere ich mich deines Gesichts;
mein Herz füllt sich mit Tränen,
denn ich habe mich von deinem Wohlwollen abgewendet.

Ich kenne alle Worte,
doch mein Herz ist so steinern;
so geschäftig mit guten Taten
vermeide ich es, allein zu sein.

Immer am Werken und
in irgendein Zeugs verwickelt,
auch wenn es "Dharma" genannt wird,
ist es doch nur Ego-Aufbauschung.

Aufgrund deiner Güte
weiß ich, wo der Ausgang ist,
die offene Weite,
die du mir schon früher gezeigt hast.

Ich bin meiner müde,
also ist es Zeit zu beginnen
zu entspannen und zu öffnen
und alles hereinzulassen.

Wir sind niemals auseinander,
auch wenn ich dich auf Abstand halte;
du bist hier in meinem Herzen,
doch ich ignoriere, was du sagst.

Immer vergibst du mir
"Es ist nur eine Bewegung, die spielt"
doch ich nehme es schuldhaft und überaus ernst
mit meinen feinen töneren Füßen.

Die Praxis anzuwenden
bedeutet dir nahe zu sein.
Du hast es so leicht gemacht,
und doch ist es das Letzte, was ich tue.

So werde ich jetzt einen Augenblick still sitzen
und in diesem Raum zur Ruhe kommen
und finde mich widergespiegelt
in deinem lächelnden Gesicht.

Du hast mir Gold gegeben,
doch ich suche nach Blei,
es fühlt sich wie ein Problem an
das mir nicht mehr aus dem Kopf gehen will.

Dafür gibt es keine Lösung,
da das Problem ja nicht wirklich ist;
die Schlange, die ein Seil ist,
versetzt einen Biss, der nicht zu heilen ist.

Ich bin verirrt und verwirrt
und ich fühl mich so einsam,
während ich es bewohne,
dein Mandala-Zuhause.

So voll von mir selbst,
bleibt mir kein Raum zu empfangen;
die endlose Hervorbringung der Gedanken
ist nun mal eine Krankheit.

Ich rufe nach dir
als einem getrennten Objekt;
es ist mein eigener Dualismus,
der mich in Dunkelheit hüllt.

Du bist hier und du lächelst,
und jetzt bin ich auch hier;
in der Ausatmung losgelassen
lösen sich Gedanken in der Sicht auf.

Es liegt nichts zwischen uns,
wir sind beide wie der Himmel;
nichts kann uns ergreifen,
während Erscheinungen vorbeischweben.

Ganz erfüllt mit nichts
bin ich weit offener Raum;
weder Mangel noch Übermaß
können eine Spur hinterlassen.

Oh welch ein Mühen
und ganz ohne Bedürfen
warst du bereit und erwartend,
ich jedoch konnte nicht rufen.

Immer allein und
auf immer vollständig
in Frieden und zufrieden
zu deinen Lotusfüßen.


James Low  June 2012
Übersetzung: Sylvester Lohninger

Tired of myself and longing for you

Caught by a thought
like a fish in a net
I am born as one dragged
by a rope round the neck.

Before in the stillness,

the wide open space,
presence is given,
relaxed in its place.

Its place is pervasive

without having to move
alive and refreshing
with nothing to prove.

But caught by the thought

I lose my own ground
and grasping at more thoughts
mere illusion is found.

I feel I exist

for I seem to be real
yet nothing is stable
for the truth is concealed.

I’m a subject, I’m an object

Yet neither remains.
It exhausts me creating
All these sources of pain.

Oh, web of illusion

Please leave me alone –
but in taking you seriously
I make you my home.

Turning and searching

I never can find
the one taste I’m lacking,
my own peace of mind.

Give me a break!

I scream at myself
yet it’s me who picks up
the next thought from the shelf.

Row upon row

offering endless delusion
the constituents of self
bring only confusion.

The web is woven by

my struggle for more
yet the balm that I seek
from the source always pours.

Not self and not other

but the space in between,
this small gap is infinite
the ground of all dreams.

So many kind teachers

have pointed the way
back home to the source
yet I choose to stray.

I play with my toys

bored, lonely and sad.
I feel cheated by others
who I then make bad.

Subject and object are

weaving their spell
Shut up. Enough!
I’m falling in hell.

Sinking in sadness

I remember your face
my heart fills with tears
for I’ve turned from your grace.

I know all the words

But my heart is like stone
So busy with good works
I avoid being alone.

Always engaged and

caught up in stuff
although it’s called ‘dharma’
it’s just ego’s puff.

Due to your kindness

I know where’s the door
to the open expanse
that you showed me before.

I’m tired of myself

so it’s time to begin
to relax and to open
letting everything in.

We are never apart

though I keep you at bay
you’re here in my heart
but I ignore what you say.

You always forgive me

‘It’s just movement in play’
but I’m guilty and serious
with my fine feet of clay.

Applying the practice

is being close to you
you’ve made it so easy
yet it’s the last thing I do.

So I’ll sit still for a moment

and rest in this space
and find myself mirrored
in your smiling face.

You’ve given me gold

yet I’m searching for lead
it feels like a problem
that’s stuck in my head.

To this there’s no solution

since the problem’s not real
the snake that’s a rope
gives a bite you can’t heal.

I’m lost and confused

and I feel so alone
while living within
your mandala home.

So full of myself

I’ve no space to receive,
thoughts endless production
is just a disease.

I call out to you

as an object apart
it’s my own dualism
that enfolds me in dark.

You’re here and you’re smiling

and now I’m here too
released in the out‐breath
thoughts dissolve in the view.

There’s nothing between us

we’re both like the sky
nothing can touch us
as appearances float by.

Filled up with nothing

I’m wide open space
neither lack nor excess
can leave any trace.

Oh what a struggle

and with no need at all
you’ve been ready and waiting
yet I couldn’t call.

Always alone and

forever complete
at peace and content
at your lotus feet.

James Low

June 2012



Das Wie des Jetzt


Das Wie des Jetzt
könnte dich verrückt machen
denn das Jetzt entschlüpft dem Wie
und Methoden bringen Schmerz.

Der Spötter von Mühen
ist immer im Spiel.
Wonach immer du greifst,
es entgleitet dir.

Weder Kommen noch Gehen,
es ist immer da.
Wenn du dich darin findest,
gibt es nichts zu befürchten.

Drum lass alles Methodische los,
denn es hängt nicht an dir.
Du hast, was du brauchst;
es geschieht ganz als du.





Ich bin selber fremd hier

Ich bin hier selbst ein Fremder,
sowohl fremd wie entfremdet,
nicht ganz zuhause außer
in dem Raum der kein
Territorium ist, der Raum
der gastfreundlich ist zu
allen Fremden und Sonderbaren,
die herumstreunen und umherirren.
Diese Raum untergräbt die Möglichkeit,
entfremdet zu sein durch seine
Leichtigkeit, mit der er die Gegebenheit
anbietet des immer schon Zuhauseseins.
Wo nun also geschieht es genau,
dass ich ein Fremder bin,
sowohl fremd wie entfremdet?
Ah, es ist hier an dieser Stelle,
die abgeschnitten ist von ihrem eigenen Urgrund
durch die Flut‐ und Ebbewellen der Gedanken,
zum Fremden geworden durch den Überschuss
meines eigenen Glanzes; meiner Kreativität,
die sich selbst in sich selbst hüllt;
das Isolierte, Abgetrennte, Klägliche
ist nur eine Falte im sich entfaltenden Fluss
unzähliger Weisen zuhause zu sein
als Offenheit, Feld und besonderer Augenblick.

I’m a stranger here myself

I’m a stranger here myself,
being both strange and estranged,
not quite at home except
in the space which is not
a territory, the space
which is hospitable to
all strangers, all the strange
who stray.
This space subverts the possibility
of being estranged by its
ease of offering the actuality
of always already at‐home‐ness.
So where exactly is it that
I am the stranger, both strange
and estranged? Ah, it is here in this
site cut off from its own ground
by the tidal wave of thoughts
alienated only by the surplus of my
own effulgence; creativity enveloping
itself in itself; the isolated, apart, abject
is but a fold in the unfolding flow
of the myriad ways of being at home
as openness, field and specific moment.


WIE ES GEHT NACKT ZU SEIN

Wie es geht nackt zu sein
Alles was du hast und
alles was du siehst und
alles wofür du dich hältst ‐
ist nur Einkleidung.

Kleidung kann verhüllen oder
spielerischer Ausdruck sein
der strahlenden Quelle,
die immer im Spiel ist.

Offen und nackt
kann man sich nicht verfangen,
nicht im 'selbst' noch im 'andern',
ob nun Suchender oder gesucht.

Frisch, roh und einfach
ist unser Zustand vollständig
obwohl ein Dressing zur Wahl steht
für jene, die wir treffen.

Süßes Geschenk von nichts,
dieses unendliche Feld,
der Buddhas eignes Paradox,
dem wir uns beugen.

Von Augenblick zu Augenblick
tauchen wir auf in neuen Formen
Kleider in seltsamen Mustern
für immer ungeboren.

Es ist fein, wie es ist,
denn was es nicht ist,
wird auch Denken nicht begreifen ‐
es ist ein Witz, ja ein Schock.

Nackt sein ist einfach,
mach also nichts extra.
Die Kleider stellen sich frei zur Verfügung,
schau einfach, was das Leben so bringt.

Wie es geht, nackt zu sein
ist nicht eine Art Wissen;
du bist immer enthüllt,
wohin immer Du gehst.

Jedes Bemühen ist vergeudet,
es trübt nur das Wasser,
Versuche nicht, dich zu entspannen,
das ist völlig unpassend!

Es ist, was es ist
und wie es immer gewesen ist;
lass die Kleider abgleiten,
sie waren doch nur ein Traum.

James Low

(Übersetzung: Sylvester Lohninger)

How to be Naked

All you have and
all you see
and all you take
yourself to be –
is only clothing.
Clothing can cover or
be the display
of the radiant source
forever in play.
Open and naked
you cannot be caught,
not by self nor by other
whether seeker or sought.
Fresh, raw and simple
our state is complete
though dressing’s an option
for those whom we meet.
Sweet gift of nothing
this infinite field
the buddhas’ own paradox
before which we yield.
Moment by moment
we arise in new forms
clothes in strange patterns
forever unborn.
It’s fine as it is
for what it is not
Thinking won’t get it –
it’s a joke, it’s a shock.
Naked is easy
so don’t do a thing.
The clothes they come freely,
just see what life brings.
So how to be naked
is not something to know;
you’re always uncovered
wherever you go.
Effort is wasteful
it muddies the water.
don’t try to relax,
that’s really improper!
It is what it is
as it always has been;
let the clothes slip away,
they were only a dream.








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